Calming Signals

Die Beschwichtigungssignale der Hunde

Was sind Calming Signals?

Calming Signals, auf deutsch Beschwichtigungssignale, sind Signale, die Hunde aussenden, wenn sie etwas beunruhigt oder wenn sie merken, dass jemand anderes beunruhigt ist. Sie beschwichtigen damit sowohl sich selbst als auch ihr Gegenüber bzw. das, was sie beunruhigt. Dies geschieht zur Vorbeugung von Konflikten, also lange bevor ein Konflikt entsteht.

Diese Signale wurden schon vor längerer Zeit bei freilebenden Wölfen beobachtet, die damit Auseinandersetzungen vermeiden, wann immer es geht. Ende der 80er Jahre begann die norwegische Hunde-Trainerin Turid Rugaas, gezielt Studien bei Hunden durchzuführen. Das Ergebnis war eindeutig: auch Hunde wenden diese konfliktlösenden Signale an und können sie verstehen, überall auf der Welt und von Welpenbeinen an.

 
Welche Calming Signals gibt es?

Die nachfolgende Auflistung ist nicht abschliessend, sondern beschreibt nur die gängigsten bzw. diejenigen, die mir bei Aikan am meisten aufgefallen sind. Bestimmt haben Sie das eine oder andere Beschwichtigungssignal bereits bei Ihrem Hund beobachtet.

 
 
Schlecken der Nase / Züngeln
 
Das Züngeln ist ein sehr häufig angewandtes Calming Signal. Meist wird es sehr kurz, für den ungeübten Menschen kaum wahrnehmbar gezeigt.
 
Hunde zeigen es oft, wenn sich ihnen ein anderer Hund nähert, aber auch, wenn sich ein Mensch z.B. über sie beugt oder von oben nach ihnen greift.
 
 
Gähnen

"Bist Du müde?", hört man oft die Halter zu ihrem Hund sagen, wenn dieser gähnt. Dabei hat das Gähnen bei den Hunden oft eine ganz andere Bedeutung: es ist eine deutliche Beschwichtigungsgeste. Viele Shibas gähnen bei körperlicher Nähe, die ihnen zu viel wird: etwa wenn sie auf den Arm genommen oder umarmt werden.

Aikan gähnt hier, weil das Posieren-Müssen für die frontal auf ihn gerichtete Kamera ihm langsam unbehaglich wird. Er kombiniert das mit einem anderen häufig verwendeten Signal, dem

 
Blinzeln

Hunde beschwichtigen auch, indem sie die Augen zusammenkneifen oder blinzeln. Das kommt z.B. vor, wenn Sie dem Hund ins Gesicht starren oder die Kamera auf ihn richten, ebenso aber auch im Kontakt zu anderen Hunden.

Einem Hund direkt in die Augen zu schauen, ist eine Drohgebärde! Wenn Sie einen Hund anschauen, sollten Sie ihren Blick verkürzen, d.h. nicht starren, sondern die Augenlider senken und dadurch den Blick weicher machen.

 
Den Kopf abwenden

Da direkter Blickkontakt unter Hunden als unhöflich gilt,  wird er meist tunlichst vermieden. Neben dem Blinzeln ist daher das Abwenden des Blickes oder sogar des gesamten Kopfes ein oft zu beobachtendes Beschwichtigungssignal.
 
Verlangsamen von Bewegungen

Ein Beschwichtigungssignal, welches man unter anderem auch oft auf dem Hundeplatz beobachten kann. Gerade Shibas sind sehr sensible Hunde, und wenn der Hundeführer (bewusst oder unbewusst) zu viel Druck macht, kommt es oft vor, dass der Hund dann alles nur noch im Schneckentempo ausführt. Das ist keineswegs Sturheit, Trotz oder Ungehorsam!

 
Erstarren

Um Ihr Gegenüber zu beschwichtigen, erstarren manche Hunde in einer Position und frieren regelrecht ein. Dieses Signal wird häufig missverstanden, vor allem, wenn es der Hund gegenüber seinem Herrn zeigt, der voll Zorn oder Aggression ein Kommando gibt. Nicht selten wird der Hund dann nämlich erstarren und es sieht so aus, als hätte er gar nichts gehört. Das hat in diesem Fall aber nichts mit Ungehorsam zu tun! Ihr Hund versucht Ihren Ärger zu beschwichtigen; hören Sie auf bedrohlich zu wirken, löst sich der Hund aus seiner Erstarrung und folgt.

 
Einen Bogen laufen

Hunde gehen normalerweise nicht direkt aufeinander zu, sondern machen einen kleinen Bogen, bevor sie sich beschnüffeln. Das ist auch der Grund, warum viele Hunde so unsicher und verteidigungsbereit sind, wenn sie durch die Leine gezwungen sind, "bei Fuss" geradewegs an einem anderen Hund vorbeizugehen.

Wenn Sie einem fremden Hund begegnen oder Ihren Shiba "einfangen" wollen, empfiehlt es sich, dass Sie selbst einen Bogen schlagen, um dem Hund zu signalisieren, dass sie friedliche Absichten haben.

 
Am Boden schnüffeln

Natürlich schnüffeln alle Hunde gern am Boden, ganz einfach um "Zeitung zu lesen". Aber das Schnüffeln wird auch als Beschwichtigungssignal verwendet. Wer genau beobachtet, kann sehen, dass in manchen Fällen der Hund eifrig am Boden schnuppert, während die Augen aufmerksam das verfolgen, was der Hund zu beschwichtigen versucht - z.B. ein anderer Hund.

Auch wenn Sie Ihren Hund streng heranrufen, kommt es vor,  dass er nicht nur im Schneckentempo kommt, sondern dabei auch noch auf dem Boden schnüffelt. Er tut dies nicht, um den Gehorsam zu verweigern, sondern weil Ihren Ärger bemerkt hat und beschwichtigen will.

 
Der praktische Nutzen - ein besseres Verständnis

Wenn Sie die Beschwichtigungssignale Ihres Hundes beobachten und verstehen lernen, erhalten sie zu jeder Zeit Auskunft über seine Gefühlslage. Während Hunde unter ihresgleichen auf diesem Wege miteinander kommunizieren, kann der Umgang mit Menschen für den Hund sehr frustrierend sein. Er teilt uns seine Befindlichkeit mit und wir antworten ihm nicht, schlimmer noch: oft wird er sogar aus Unwissenheit bestraft, wenn er Calming Signals zeigt.

Wer auf Beschwichtigungssignale achtet und seinem Hund aus ihn beunruhigenden Situationen heraushilft, kann vielen Problemen vorbeugen. Wird Ihr Hund z.B. von einem Kind bedrängt und sendet diese Signale aus, sollten Sie ihn aus dieser Lage befreien. Bevor ein Hund in solchen Situationen knurrt oder gar schnappt, hat er bestimmt schon lange vorher Calming Signals gezeigt, die aber nicht beachtet wurden.

Sie können Beschwichtigungssignale aber auch selbst einsetzen!

Einen unsicheren Hund können Sie beruhigen, indem Sie nicht direkt auf ihn zugehen, sich zur Seite drehen, ihm nicht direkt in die Augen schauen. Auch das Gähnen und Züngeln können Sie selbst anwenden, Ihr Hund wird Sie verstehen (auch wenn es auf Ihre Mitmenschen etwas komisch erscheinen mag).

Hat Ihr Hund Probleme mit Artgenossen, können Sie ihm helfen, indem Sie bei Begegnungen mit anderen Hunden mit ihm einen Bogen um diese herum schlagen.

 
Natürlich konnten auf dieser Seite die Beschwichtigungssignale nur kurz angerissen werden. Für mehr Informationen empfehle ich wirklich jedem Halter das Buch oder Video von Turid Rugaas.
 
"Viele Menschen wissen von ihren Hunden nicht viel mehr, als was sie gekostet haben."
(Horst Stern, dt.Journalist und Autor)